
Kündigung während Krankschreibung Schweiz: Rechte
Krankgeschrieben und dann die Kündigung – für viele Beschäftigte in der Schweiz ein Horrorszenario, aber die Rechtslage ist klarer, als man denkt. Das Obligationenrecht (OR) legt genau fest, wann eine Kündigung während einer Krankschreibung rechtmässig ist und wann nicht.
Schutzfrist im 1. Dienstjahr: 30 Tage · Schutzfrist im 2.–5. Dienstjahr: 90 Tage · Schutzfrist ab 6. Dienstjahr: 180 Tage
Kurzüberblick
- Kündigung während Schutzfrist ist anfechtbar (Easychomage (Rechtsinformationsportal))
- Schutzfristen richten sich nach Dienstjahren (OR 336c) (Easychomage (Rechtsinformationsportal))
- Entschädigung bei Missbrauch: bis zu 6 Monatslöhne (Easychomage (Rechtsinformationsportal))
- Ob wiederholte Kurzkrankheiten eine neue Schutzfrist auslösen, hängt vom Einzelfall ab (Ville de Genève, Rechtsauskunft)
- Die genaue Höhe einer Entschädigung wird individuell festgelegt (Ville de Genève, Rechtsauskunft)
- Keine verbindliche Statistik, wie viele Arbeitgeber während Krankschreibung kündigen (Ville de Genève, Rechtsauskunft)
- Bei Kündigung vor Krankheit wird die Frist während der Arbeitsunfähigkeit suspendiert (Ville de Genève, Rechtsauskunft)
- 1. Dienstjahr: 30 Tage Schutzfrist
- 2.–5. Dienstjahr: 90 Tage Schutzfrist
- Ab 6. Dienstjahr: 180 Tage Schutzfrist
- Nach Schutzfrist: Kündigung grundsätzlich möglich
- Kündigungsfrist-Verlängerung: max. 3 Monate
- Kündigung schriftlich anfechten (innert Frist)
- Rechtsberatung suchen (Gewerkschaft, Anwalt)
- Anspruch auf Lohnfortzahlung prüfen
- Mögliche Entschädigungsklage einleiten
Sechs zentrale Fakten, die jeder Arbeitnehmer in der Schweiz kennen sollte – von der Dauer der Schutzfrist bis zur maximalen Entschädigung.
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Schutzfrist im 1. Dienstjahr | 30 Tage |
| Schutzfrist im 2.–5. Dienstjahr | 90 Tage |
| Schutzfrist ab 6. Dienstjahr | 180 Tage |
| Maximale Verlängerung des Kündigungszeitpunkts | 3 Monate |
| Entschädigung bei missbräuchlicher Kündigung | bis zu 6 Monatslöhne |
| Rechtsgrundlage | OR 336c |
Kann der Arbeitgeber während einer Krankschreibung kündigen?
Schutzfristen nach Dienstjahren
Die zentrale Frage beantwortet Easychomage (Rechtsinformationsportal) eindeutig: Nach Ablauf der Probezeit ist eine Kündigung während einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit grundsätzlich ungültig – solange die gesetzliche Schutzfrist läuft. Art. 336c OR sieht eine Sperrfrist vor, die je nach Dienstzeit gestaffelt ist.
- Im 1. Dienstjahr: 30 Kalendertage
- Im 2. bis 5. Dienstjahr: 90 Kalendertage
- Ab dem 6. Dienstjahr: 180 Kalendertage
Die Schutzfrist gilt pro Krankheitsfall. Wer nach einer Krankheit wieder gesund ist und später erneut erkrankt, kann eine neue Schutzfrist beanspruchen – sofern es sich um eine andere Ursache handelt. Rückfälle oder Nachwirkungen zählen nicht als neuer Fall.
Ausnahmen bei wiederholten Krankheiten
Die Stadt Genf (amtliche Rechtsauskunft) präzisiert: Eine zweite Krankheit aus einem anderen Grund kann tatsächlich eine neue Schutzfrist auslösen. Das gilt auch dann, wenn die erste Schutzfrist bereits abgelaufen ist. Bei Rückfällen oder Nachwirkungen derselben Erkrankung beginnt die Schutzfrist dagegen nicht von neuem.
Arbeitgeber könnten versucht sein, eine Kündigung knapp vor Ablauf der Schutzfrist auszusprechen. Der Arbeitnehmer sollte dann prüfen, ob eine neue, andersartige Erkrankung vorliegt, die eine erneute Schutzfrist auslöst.
Kündigung nach Ablauf der Schutzfrist
Sobald die Schutzfrist abgelaufen ist, kann der Arbeitgeber kündigen – auch wenn der Arbeitnehmer immer noch krank ist. Allerdings verlängert sich dann die Kündigungsfrist um die Dauer der Arbeitsunfähigkeit, maximal um drei Monate (Ville de Genève, Rechtsauskunft).
Das Muster: Der Kündigungsschutz ist zeitlich befristet, aber die Verlängerung der Kündigungsfrist gibt dem Arbeitnehmer zusätzliche Zeit für die Jobsuche.
Welche Sanktionen drohen einem Arbeitnehmer, der nach einer Krankschreibung entlassen wird?
Anfechtung der Kündigung
Wird während der Schutzfrist gekündigt, ist die Kündigung anfechtbar. Der Arbeitnehmer muss die Anfechtung schriftlich innert der Klagefrist (in der Regel 180 Tage) beim zuständigen Gericht einreichen (Easychomage (Rechtsinformationsportal)). Erfolgt die Anfechtung rechtzeitig, kann das Gericht die Kündigung für unwirksam erklären.
Entschädigungszahlungen bei missbräuchlicher Kündigung
Liegt eine missbräuchliche Kündigung vor – etwa weil die Kündigung wegen der Krankheit ausgesprochen wurde –, kann der Arbeitnehmer eine Entschädigung verlangen. Die gesetzliche Obergrenze beträgt sechs Monatslöhne (Easychomage (Rechtsinformationsportal)). Die genaue Höhe wird vom Gericht nach Ermessen festgelegt.
Möglichkeit der Wiederherstellung des Arbeitsverhältnisses
Das Gericht kann die Kündigung für unwirksam erklären, wenn sie innerhalb der Schutzfrist ausgesprochen wurde. In der Praxis wird jedoch selten die Wiedereinstellung angeordnet – häufiger wird eine finanzielle Entschädigung zugesprochen (Easychomage (Rechtsinformationsportal)).
Die Anfechtung der Kündigung ist der erste und wichtigste Schritt. Mit einer erfolgreichen Anfechtung können Arbeitnehmer ihre Rechte durchsetzen.
Wie hoch ist die Abfindung bei Kündigung während einer Krankschreibung?
Gesetzliche Abfindung
Anders als in vielen anderen Ländern gibt es in der Schweiz keinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung bei Kündigung – auch nicht bei Krankheit (Easychomage (Rechtsinformationsportal)). Eine Abfindung wird nur dann fällig, wenn sie vertraglich vereinbart oder im Rahmen eines Aufhebungsvertrags ausgehandelt wird.
Vertragliche Abfindung
Einige Arbeitsverträge oder Gesamtarbeitsverträge (GAV) sehen Abfindungen vor, insbesondere bei langer Betriebszugehörigkeit. Der Arbeitnehmer sollte seinen Vertrag oder den geltenden GAV prüfen.
Berechnung der Entschädigung bei missbräuchlicher Kündigung
Handelt es sich um eine missbräuchliche Kündigung, kann das Gericht eine Entschädigung zusprechen – maximal sechs Monatslöhne (Easychomage (Rechtsinformationsportal)). Die Berechnung richtet sich nach dem Bruttolohn inklusive Naturalleistungen. Das Gericht berücksichtigt die Schwere des Verstosses, das Verhalten der Parteien und die Dauer des Arbeitsverhältnisses.
Wer eine Abfindung will, muss oft verhandeln. Ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung kann sich lohnen – aber nur nach Prüfung der Konsequenzen für das Arbeitslosengeld.
Das Muster: Die Höhe der Entschädigung bleibt im Ermessen des Gerichts, aber die Obergrenze von sechs Monatslöhnen setzt einen klaren Rahmen.
Wie läuft eine Kündigung während einer Krankschreibung ab?
Formalien der Kündigung
Die Kündigung muss schriftlich erfolgen (§ 335 OR). Mündliche Kündigungen sind ungültig. Der Arbeitgeber muss die gesetzliche oder vertragliche Kündigungsfrist einhalten. Während der Probezeit beträgt die Frist standardmässig 7 Tage.
Fristen und Termine
Befindet sich der Arbeitnehmer zum Zeitpunkt der Kündigung in der Schutzfrist, ist die Kündigung anfechtbar. Wurde die Kündigung bereits vor Eintritt der Krankheit ausgesprochen, wird der laufende Fristverlauf während der Arbeitsunfähigkeit suspendiert (Ville de Genève, Rechtsauskunft). Die Frist läuft erst weiter, wenn der Arbeitnehmer wieder arbeitsfähig ist – maximal aber um drei Monate verlängert.
Verhalten des Arbeitnehmers nach Erhalt der Kündigung
- Kündigung sofort schriftlich anfechten, falls innerhalb der Schutzfrist
- Rechtliche Beratung suchen: Gewerkschaft, Rechtschutzversicherung oder Fachanwalt für Arbeitsrecht
- Lohnfortzahlung prüfen – der Anspruch besteht unabhängig von der Kündigung fort
- Fristen für Anfechtungsklage beachten (180 Tage)
Ein strukturiertes Vorgehen erhöht die Chancen auf eine erfolgreiche Anfechtung oder Entschädigung.
Ist es besser zu kündigen oder wegen Krankheit entlassen zu werden?
Upsides der Kündigung durch Arbeitgeber
- Mögliche Entschädigung bei missbräuchlicher Kündigung
- Keine Sperrfrist beim Arbeitslosengeld
- Recht auf Abfindung bei GAV oder Vertrag
Downsides der Eigenkündigung
- In der Regel Sperrfrist von 1–4 Wochen beim Arbeitslosengeld
- Verlust des Kündigungsschutzes
- Kein Anspruch auf Entschädigung
Vorteile einer Eigenkündigung
Eine Eigenkündigung kann sinnvoll sein, wenn der Arbeitnehmer einen neuen Job hat oder das Arbeitsverhältnis unerträglich geworden ist. Allerdings droht bei der Arbeitslosenversicherung eine Sperrfrist (ch.ch (offizielle Schweizer Behördenplattform)).
Nachteile einer Eigenkündigung
Der grösste Nachteil: Wer selbst kündigt, kann keine missbräuchliche Kündigung geltend machen und verzichtet auf jegliche Entschädigung. Arbeitnehmer, die krankgeschrieben sind, sollten daher nie voreilig selbst kündigen, sondern rechtlichen Rat einholen.
Vorteile einer Kündigung durch den Arbeitgeber
Wird der Arbeitnehmer gekündigt, kann er die Rechtmässigkeit prüfen lassen. Liegt ein Verstoss gegen die Schutzfrist vor, winkt eine Entschädigung. Zudem bleibt der Anspruch auf Arbeitslosengeld in der Regel erhalten.
Nachteile einer Kündigung durch den Arbeitgeber
Einziger Nachteil: Das Arbeitsverhältnis endet unfreiwillig, was die Jobsuche erschweren kann. Zudem ist der Arbeitnehmer auf die Unterstützung der Arbeitslosenversicherung angewiesen.
Zeitleiste: Kündigungsschutz bei Krankheit in der Schweiz
Bestätigte Fakten vs. Unklares
Bestätigte Fakten
- Schutzfristen nach OR 336c sind gesetzlich festgelegt (Easychomage (Rechtsinformationsportal))
- Kündigung während Schutzfrist ist anfechtbar (Easychomage (Rechtsinformationsportal))
- Entschädigung bei missbräuchlicher Kündigung ist auf sechs Monatslöhne begrenzt (Easychomage (Rechtsinformationsportal))
Was unklar ist
- Ob der Arbeitgeber bei wiederholten kurzen Krankheiten kündigen kann, hängt von den Umständen ab
- Die genaue Höhe einer Entschädigung bei missbräuchlicher Kündigung wird im Einzelfall festgelegt
- Keine offizielle Statistik über Kündigungen während Krankschreibung in der Schweiz
- Bei Kündigung vor Krankheit wird die Frist während der Arbeitsunfähigkeit suspendiert (Ville de Genève, Rechtsauskunft)
Stimmen aus der Praxis und Rechtsprechung
«Die Kündigung während der Schutzfrist ist nichtig. Der Arbeitnehmer kann sie vor Gericht anfechten und gegebenenfalls eine Entschädigung fordern.»
– Easychomage (Rechtsinformationsportal)
«Wenn eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer während der Kündigungsfrist krank wird, verlängert sich diese Frist um die Dauer der Arbeitsunfähigkeit – maximal jedoch um drei Monate.»
– Ville de Genève, Rechtsauskunft
Die Konsequenz für Arbeitgeber ist klar: Wer während der Schutzfrist kündigt, riskiert eine Entschädigung von bis zu sechs Monatslöhnen. Für Arbeitnehmer in der Schweiz lautet der Rat: Lassen Sie sich nicht einschüchtern – Sie haben starke Rechte.
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Häufig gestellte Fragen
Kann mein Arbeitgeber mir kündigen, wenn ich keine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlege?
Ja. Ohne ärztliches Zeugnis gilt die Arbeitsunfähigkeit nicht als nachgewiesen. Der Kündigungsschutz nach OR 336c greift erst ab Vorlage einer gültigen Krankmeldung.
Was passiert mit meiner Lohnfortzahlung, wenn ich während der Krankschreibung gekündigt werde?
Der Lohnfortzahlungsanspruch bleibt bestehen, solange die Krankheit andauert – unabhängig von der Kündigung. Der Arbeitgeber muss den Lohn bis zum Ende der gesetzlichen Lohnfortzahlungspflicht (in der Regel 3 Wochen pro Dienstjahr, max. 180 Tage) weiterzahlen.
Muss ich die Kündigung während der Krankschreibung akzeptieren?
Nein. Liegt die Kündigung innerhalb der Schutzfrist, können Sie sie anfechten. Wir empfehlen, umgehend eine Rechtsberatung zu suchen.
Kann ich nach Ablauf der Schutzfrist trotz Krankheit gekündigt werden?
Ja. Nach Ablauf der Schutzfrist ist eine Kündigung auch bei fortbestehender Arbeitsunfähigkeit zulässig. Die Kündigungsfrist verlängert sich dann um die Dauer der Arbeitsunfähigkeit (max. 3 Monate).
Welche Rolle spielt die Dauer der Betriebszugehörigkeit beim Kündigungsschutz?
Eine zentrale Rolle: Je länger die Betriebszugehörigkeit, desto länger die Schutzfrist. Ab dem 6. Dienstjahr beträgt die Schutzfrist 180 Tage – mehr als ein halbes Jahr.
Habe ich Anspruch auf Arbeitslosengeld, wenn ich während der Krankschreibung gekündigt werde?
Ja, grundsätzlich schon. Allerdings können Sperrfristen drohen, wenn die Kündigung durch eigenes Verschulden verursacht wurde. Bei einer Kündigung durch den Arbeitgeber besteht in der Regel kein Problem (ch.ch (offizielle Schweizer Behördenplattform)).
Kann der Arbeitgeber mich kündigen, wenn ich wegen einer Depression krankgeschrieben bin?
Psychische Erkrankungen fallen unter den allgemeinen Krankheitsbegriff. Auch hier gelten die Schutzfristen nach OR 336c. Eine Kündigung während der Schutzfrist ist anfechtbar.